DANIELA BUSARELLO, Expressionistin des Lebendigen

DANIELA BUSARELLO, Expressionistin des Lebendigen

Daniela Busarello bezeichnet sich selbst als bildende Künstlerin und Expressionistin des Lebendigen. In der Tat ist der Platz biologischer Wesen, ob Pflanzen oder Menschen, von zentraler Bedeutung für ihre Arbeit, in der sie ständig versucht, die Welt um sich herum zu untersuchen. Sie interessiert das Verhältnis des Menschen zur Natur, aber auch zwischenmenschliche Beziehungen, die unter anderem durch das Befragen des feministischen Engagements verdeutlicht werden.

Foto: Piotr Rosinski

Das Malen steht im Licht Deiner jetzigen Tätigkeit. Erzähle uns, wie Du von der Architektin in Brasilien zur Malerin in Frankreich wurdest.

Es war eine aufregende Reise voller Erfahrungen, die es mir ermöglichten, meinen Weg zu finden. Ohne wirklich zu wissen warum, saß ich eines Tages im Flugzeug nach Paris, um mir eine einjährige Auszeit als Architektin in Brasilien zu nehmen. Vielleicht war es das Gefühl, dass ich es sonst nie machen würde, wenn ich Brasilien nicht damals verlassen hätte. Trotzdem wachte ich an meinem 40. Geburtstag in meiner Pariser Wohnung mit einem so freien Gefühl auf, ohne jegliche Ängste. Also beschloss ich, mich für die Akademie der Bildenden Künste, les Beaux-Arts de Paris, einzuschreiben.

Es war ein Aktzeichenkurs für Erwachsene. Ich hatte das Glück, einen großartigen Lehrer zu haben, der verstand, dass ich mich langweilte, die menschlichen Modelle so zu kopieren, wie sie sind, ich wollte in sie eindringen, weiter sehen, tiefer als meine Augen es konnten. Durch das Zeichnen entdeckte ich die Innerlichkeit der Welt und der Körper. Was ich vor allem entdeckte, war meine Innerlichkeit.

„Ich bin Malerin und ich bin Frau.“

Du stehst also dazu Frau zu sein und nicht Feministin?

Weißt du, ich finde, es ist etwas noch viel Stärkeres, sich Frau zu nennen, es ist, sich dem anderen Geschlecht entgegenzustellen: Ich bin eine Frau. Da ist ein Wohlwollen, ein Blick, eine Sanftheit. Es bringt auch eine ganze mütterliche Seite mit.

Wir lieben es, nicht wahr, Frau mit all unseren Stärken und Schwächen zu sein?

Absolut, ich will nicht mit Männern konkurrieren. Ich will kein Mann sein. Ich lebe jedoch diese weibliche Kraft mit all ihren Stärken und all ihren Schwächen. Das ist, was meine schöpferische Energie antreibt. Es kommt wirklich aus meinem Bauch heraus, ich könnte gar nicht anders. Sanftheit zum Beispiel ist auch eine menschliche Eigenschaft, denn mich interessiert tatsächlich der Mensch.

Und woher kommt dieses Interesse am Menschen in Deiner Arbeit?

In Wahrheit kommt es aus meinem früheren Leben, als ich Architektin und Stadtplanerin war. Bevor man ein Projekt entwirft, muss man die Umgebung studieren, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Ich glaube, ich habe nie aufgehört, dafür sensibel zu sein. Genauso wie die Frage nach den Beziehungen, die wir zum Anderen haben, wobei das Andere ein Mensch, eine Pflanze, ein Tier, die Stadt sein kann. Das sind also reale Körperlandschaften, die durch meine Geste entstehen, in der Kontinuität meines eigenen Körpers.

Du sprichst über Umwelt, Landschaft, Pflanzen, man könnte meinen, dass der Mensch nicht Deine einzige Muse ist.

Es gibt ein Konzept in der Architektur, die Philosophie des Genius Loci, der Geist des Ortes. Es ist eine Idee, die meine Praxis inspiriert, und für die ich mit einem von mir festgelegten Protokoll wirklich in die Natur eintauche. Ich beginne zuerst damit, Pflanzen, Blumen, Steine ​​oder Bäume zu fotografieren, die ich während einer meiner Reisen sammle. Ich mache dieses Material zu Pulver, das ich dann zum Malen verwende. So bewahre ich den Geist und die Energie eines Ortes. Es ist eine Suche nach Innerlichkeit, aber auch ein Hinterfragen dessen, was uns mit allen Dingen verbindet, also mit dem Kosmos.

Und welcher Ort beschäftigt Dich heute am meisten?

Natürlich Brasilien und insbesondere der Atlantische Regenwald am Vorabend seines Verschwindens. Eine Blume auf dem Bürgersteig zu pflücken, wie ich es mache, ist auch ein Stück dieses großartigen Ökosystems, das durch menschliche Aktivitäten gefährdet ist.

„Malen ist mein zweiter Atem geworden, ich kann nicht ohne Malen.“

Irgendwo rettest Du die Wälder Brasiliens auf Deine Weise, indem Du sie in Deinen Bildern verewigst. Kunst strebt danach, für immer zu existieren, vielleicht leider nicht der Atlantische Regenwald.

So hatte ich mir das nicht vorgestellt, aber wahrscheinlich hast du recht, es ist wie eine Art unbewusster Schutz meines Landes. All diese Prozesse sollen auch über die brasilianischen soziokulturellen Probleme sprechen, die derzeit mit einem regelrechten Wettlauf ins Verderben schlittern. Tatsächlich ist das Malen zu meinem zweiten Atem geworden, ich kann nicht ohne Malen. Es sind all diese bewussten und unbewussten Sorgen und Ängste, die ich beim Malen in meine Geste einhauche. Außerdem, obwohl ich vorher einige Bilder vorbereite, endet es oft nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das Unbewusste leitet mich und erlaubt mir, mich frei auf der Leinwand auszudrücken. Es ist fast therapeutisch.

Deine Geste bringt eine Tiefe, die die einfache Beschreibung der Welt übersteigt …

Allerdings war das nicht immer so, meine ersten Bilder waren schnell fertig. Es war die Augenblicklichkeit von Gefühlen und menschlichen Beziehungen, die ich dargestellt habe. Heute ist die Geste des Malens wichtiger, und dafür brauche ich einen Monat im Vergleich zu früher, wo eine Woche genug war. Die Zeit, in der ich nicht male, ist genauso wichtig, da sie mir erlaubt nachzudenken. Dank dieser großen Leinwände habe ich verstanden, dass das sich Zeit nehmen meiner Geste einen anderen Atem verleiht, etwas sehr Meditatives.

„Sich Zeit zu nehmen bringt einen anderen Atem in meine Geste.“

Und all diese Reisen, diese Ideen, wohin führen sie Dich?

Ich sehe meine aktuellen Arbeiten als eine imaginäre Reise, eine Art mentale Ausstellung, wenn man so will. So kann ich ohne großen Druck arbeiten, so wie ich es für richtig halte. Ich fange an, Bilder mit Farbe aus rein pflanzlichen Stoffen, die ich aus Brasilien mitgebracht habe, zu malen. Das Ergebnis sind Schattierungen von Ocker und Braun, die ich sehr mag und die mich ermutigen, meine Expeditionen fortzusetzen. Ich werde auch bald längere Zeit in Bahia (Brasilien) verbringen.

Kredit:
Titelfoto (Home) : Piotr Rosinski
Fotos : Piotr Rosinski ; Franck Jouery ; Luis Alvarez ; Gilad Sasporta
Text: Raphaël Levy
Übersetzung : Anahita Vessier
Daniela Busarello’s website

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AMIN MONTAZERI, Märchen und Mythen der Melancholie

AMIN MONTAZERI,
Märchen und Mythen der Melancholie

Die iranische Kunstszene hat außerordentliche Künstler, die einen Weg finden, ihr üppiges persisches Kulturerbe mit moderner westlicher Kunst zu verknüpfen. Amin Montazeri ist definitiv einer dieser neuen Talente, den wir weiter im Auge behalten sollten.

Als ich die Arbeiten des jungen Künstlers aus Teheran entdeckte, war ich von der mysteriösen, umfangreichen und apokalyptischen Atmosphäre seiner Bilder beeindruckt. Sie berührten mich mit ihrer Melancholie. Seine Arbeiten sind so intensiv und obskur wie die von Pieter Brueghel oder Hieronymus Bosch.

Amin Montazeris Haupt-Thema ist Geschichte und die Rolle der Märchen, Legenden und Mythen in der Geschichte. Jeder trifft in seinem Leben auf diese Märchen, aber manchmal versuchen die Menschen, vor ihrem Schicksal zu fliehen, ändern es und schreiben die Geschichte neu. Was sind die Konsequenzen und was für ein Märchen entsteht aus so einer Änderung?

Er hinterfragt in seinen Arbeiten auch die Wiederholung der Geschichte, die aus der zu beobachtenden Vergesslichkeit der Menschen herrührt, sogar wenn es sich dabei um schmerzvolle und furchtbare Erfahrungen handelt.

Amin Montazeri wurde 1992 geboren und macht gerade seinen MA in Malerei am College für Bildende Künste in Teheran. Seine nächste Ausstellung findet im Oktober in der Dastan Galerie in Teheran statt und vielleicht ist er auch bei der Art Dubai in diesem Jahr dabei.

Credits:
All works by Amin Montazeri
Text: Anahita Vessier
Übersetzung: Ulrike Goldenblatt
http://www.instagram.com/aminmontazery/

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